one life – one trip


Kärnten - Ein Traum für Motorradfahrer

Wir brechen auf zu einer Tour, die uns von Aßling über den Faaker See und den Loiblpass bis nach Tržič führt – und von dort weiter in ein Gebiet, das auf keiner Karte wirklich existiert, bevor wir schließlich in Bovec landen. Unterwegs sind wir mit zwei Motorrädern, die eigentlich für den Asphalt gemacht wurden, sich heute aber entschlossen haben, Gelände zu spielen. Hier trafen wir auch den Entschluss uns endlich mal geländegängigere Motorräder zu kaufen. Begleitet werde ich von Markus – einem Mann, der beruflich einen 40-Tonnen-Holzlastwagen durch Wälder und Berghänge steuert und fest davon überzeugt ist, dass jeder Waldweg ein Parkplatz und jeder Hang eine Einladung zum Durchfahren ist.

Faaker See Motorrad-Erlebnis – Kaffee, Kurven und Größenwahn auf der Motorradreise durch Slowenien

Der Tag beginnt mit Postkartenwetter. Der Faaker See liegt ruhig da, als hätte er sich extra für uns herausgeputzt. Wir sitzen am Ufer, trinken einen Kaffee, der so teuer ist, dass man sich fragt, ob man gerade die Lizenz zum See mitgekauft hat. Markus grinst zufrieden. Ich weiß, was das bedeutet: Heute wird’s wild.
„Heute einfach fahren, wohin der Wind uns trägt“, sagt er. Ich nicke. Der Wind hat keine Ahnung, was gleich passiert.
Wir starten Richtung Loiblpass. Die Kurven sind wie gemalt, der Asphalt wie Butter und die Loiblpass Tour zählt zu den Highlights jeder Motorradreise durch Slowenien. Und wir wie zwei Verrückte, die glauben, sie hätten das Motorradfahren erfunden. Markus fährt wie immer mit der Eleganz eines Holzlasters auf Speed – direkt, entschlossen, und mit dem festen Glauben, dass alles fahrbar ist, solange man nicht bremst...

Aprilia RS 660 und Suzuki 750 GSR
Straßenmotorrad vor der Waldfahrt

Tržič Offroad – Motorrad Waldweg-Abenteuer zwischen Navi-Wahnsinn und Holzlaster-Logik

In Tržič machen wir den Fehler, den alle machen, die zu viel Vertrauen in Technik haben: Wir folgen Google Maps. Die App zeigt eine dünne graue Linie, die angeblich eine Straße sein soll. Markus sagt: „Sieht fahrbar aus.“ Ich sage: „Sieht aus wie der Anfang eines schlechten Films.“ Markus winkt ab: „Wenn ich da mit dem Holzlaster durchkomm, komm ich da auch mit dem Motorrad durch.“
Ich vergesse kurz, dass sein LKW ein 40-Tonnen-Monster ist, das Baumstämme frisst, Steigungen ignoriert und sich durch Gelände wühlt, das andere für unpassierbar halten. Wir fahren trotzdem. Natürlich!
Nach 500 Metern wird aus Asphalt Schotter. Nach weiteren 500 Metern wird aus Schotter Schlamm. Dann kommt die Schranke. Offen. Verlockend. Dumm. Markus sagt: „Wenn ich im Wald Holz hol, sieht’s auch nicht anders aus.“ Ich sage nichts mehr. Wir fahren weiter.

Motorradreise Slowenien – Offroad durch den Wald, wo Navigation stirbt und Wahnsinn beginnt

Der Weg wird enger. Die Bäume rücken näher. Die Steigung nimmt zu. Ich frage mich, ob wir noch in Slowenien sind oder schon in einem Paralleluniversum, in dem Markus der Förster ist und ich sein Praktikant.
Ein Ast schlägt mir das Visier halb ab. Ich fluche, Markus lacht und sagt trocken: „Im Wald sagen die LKW-Fahrer: Grad weils am Dach a bissl klappert, kann man wohl weiterfahren.“ Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Trost sein soll oder eine Einladung zum Wahnsinn.
Mein linker Koffer hängt schief. Markus steckt mit dem Hinterrad in einem Loch, das aussieht wie der Eingang zur Unterwelt. Er steigt ab, schaut sich um und meint: „Mit dem Holzlaster wär ich da einfach drüber.“ Ich sage nichts mehr, mir reichts. Wir schieben. Wir fluchen. Wir schwitzen. Und irgendwann stehen wir einfach da – mitten im Wald, ohne Empfang, ohne Plan, aber mit dem festen Glauben, dass das hier irgendwann lustig wird.

Die Lichtung – Aussicht auf Wahnsinn

Nach einer Stunde Offroad, die unsere Motorräder nie wollten und unsere Körper nie bestellt haben, erreichen wir eine Lichtung. Aber genau solche Offroad-Abenteuer machen eine echte Motorradreise durch Slowenien aus.“ Die Aussicht ist spektakulär. Die Motorräder sind dreckig. Wir sind dreckig. Markus hat einen Tannenzapfen im Helm und tut so, als wäre das normal.
Wir machen ein Foto. Es sieht aus wie ein Werbespot für „Wie man es nicht macht“. Aber wir lachen. Weil wir wissen: Das hier ist echt. Und echt ist selten.
Markus inspiziert sein Motorrad wie ein Holzlaster nach der dritten Fuhre – pragmatisch, gelassen, und mit dem Blick für das Wesentliche: „Geht noch. Reifen sind dran, Kette hängt nicht, passt.“

Zurück auf Asphalt – und zurück ins Leben

Nach weiteren 30 Minuten Geländefahrt mit dem Motorrad und Geröll, Wurzeln und einem fast verlorenen Nummernschild taucht plötzlich eine Straße auf. Eine echte. Mit Linien. Mit Zivilisation. Ich könnte sie küssen. Markus sagt: „War doch fahrbar.“ Ich sage nichts. Wir rollen Richtung Bovec. Schweigend. Erschöpft. Aber irgendwie glücklich.
Die Motorräder knistern im Stand, als wollten sie sagen: „Nie wieder.“ Wir nicken. Und wissen, dass wir morgen wieder irgendwas Dummes machen werden.

Und welches Abenteuer auf zwei Rädern kommt als Nächstes?

Wenn du denkst, das war schon wild – warte ab, bis du siehst, was als nächstes passiert. Denn Markus hat schon wieder eine Route im Kopf, die „eigentlich ganz gut aussieht“ (Spoiler: tut sie nicht), und ich habe noch genug Müsliriegel für mindestens drei Krisen.
Die nächste Reise steht schon in den Startlöchern – mit neuen Ländern, neuen Begegnungen und garantiert wieder einem Moment, in dem wir uns fragen: „Warum tun wir das eigentlich?“
Weil’s genau deshalb unvergesslich wird. 👉 [Weiter zu unserer nächsten Etappe – wenn die Straße wieder zur Geschichte wird]