one life – one trip


Teil 2 – Küsten, Kurven, Chaos: Von Gythio bis Pasman

Griechenland, Albanien, Montenegro, Kroatien · Kurven, Küsten und Gelachter

Du hast den ersten Teil der Griechenlandreise noch nicht gelesen? Hier gehts zum ➡ ersten Teil.

Gythio: Leuchtturm, Fußweg, Schotter – passt schon

Wir rollen nach Gythio, weil da ein besonders schöner Leuchtturm stehen soll. Unterwegs finden wir ein altes Schiffswrack. Die Zufahrt wirkt wie ein improvisiertes Labyrinth: Spaziergänger flanieren, Fischer richten Boote für die Nacht, und wir tun so, als wüssten wir, was wir tun. Später erfahren wir, dass die Strecke eigentlich ein Fußweg war – Markus ist ja gehfaul und ich hatte genug damit zu tun, die Schotterpiste nicht in moderne Kunst zu verwandeln oder als Motorradwrack im Hafen zu landen. Obligatorisches Foto gemacht, Leuchtturm steht noch, wir auch. Weiter nach Itilo.

Schiffswrack in Griechenland
Leuchtturm von Gythia in Griechenland Sehenswürdigkeit

Kalamata-Küste: Postkartenblick, Pickerl-freie Beladungs-Phantasie

Die Küstenstraße Richtung Kalamata war ein Traum: Kurven wie Achterbahn, Ausblicke wie Postkarten, dazu eine leichte Brise, die uns den Schweiß von der Stirn wehte. Einfach herrlich. Immer wieder begegneten uns Einheimische mit für uns völlig absurden Beladungen – eine Ziege auf dem Pickup, ein Kühlschrank auf dem Moped, ganze Familien auf einem Roller. Wir grinsten nur und dachten: Pickerl (TÜV)? Kennen die hier nicht.

Küstenstraße in Griechenland
Ziegenbock auf Pickup

Chrani: Zimmer-Slalom und der Mann mit dem Geheimtipp

Google führt uns durch Chrani wie ein leicht beschwipster Tourguide: zehn Runden durch enge Gassen, bis ein freundlicher Herr winkt. Er lotst uns zur Unterkunft. Später stellt sich heraus: er betreibt mit seiner Frau das beste Fischlokal der Umgebung. Wir gehen hin, genießen – und sind vor allem stolz, dass wir dieses Mal nicht wieder im Kreis fahren. Kleine Siege sind auch Siege.

Sovern: Männerspielplatz mit unfreiwilligem Fitnessprogramm

Zufällig gefunden - ein abgelegener Strand, Markus nennt es Männerspielplatz. Ich nenne es Fitnessstudio ohne Vertrag: einmal nicht aufgepasst, schon liegt er wieder unterm Bike. Mehrfaches Hochwuchten inklusive und spart die Monatsgebühr. Ich sollte mir mal angewöhnen anstatt zu helfen lieber zu lachen und die Kamera zu zücken, wenn er wieder mit seinem Bike auf der Seite liegt. Dann können wir das endlich mal für die Nachwelt festhalten.

Sovern Motorrad Sand
Motorrad im Sand fahren

Nea Manolada: Flipflops, Meerblick, und der elegante Werteverfall

Das niedliche Zimmer liegt einen Kilometer vom nächsten Lokal entfernt. Wir fahren klassisch griechisch vor: kurze Hose, T‑Shirt, Flipflops. Markus sieht aus wie Strandurlaub auf Irrweg, ich frage mich kurz, ob das so im Fahrschulheft stand. Egal: Meerblick heilt vieles, peinliche Outfits eingeschlossen.

Amfilochia: Rennstrecke auf Hauptstraße

Die Hauptstraße wird abends zur 50-Kubik-Moped-Meisterschaft. Nicht schnell, aber laut – jedes Anrollen klingt, als hätte jemand einen Rasenmäher gestimmt. Wir lehnen uns zurück und warten auf die Kür der Geräuschkulisse. Niemand gewinnt, alle haben Spaß.

Koronisia: Straße ins Meer und ein Dorf mit Kassenbon-Mentalität

Google flüstert: „Da gibt’s eine Straße mitten im Meer.“ Wir glauben’s – und fahren. Es gibt zwei Straßen, eine Schotterstraße, die in eine Sackgasse führt auch sehr interessant ist und eine offizielle Straße. Sprachlos, weil die Wasserflächen links und rechts den Gasgriff sanft machen, nur das Meer und der Blick in die Ferne. Es beruhigt und wir kommen nicht mehr aus dem Staunen heraus. Am Ende wartet ein Dorf, das Touristen professionell melkt. Die Straße dorthin bleibt trotzdem: großes Gefühl, kleines Grinsen.

Schotterstraße ins Meer Griechenland
Straße ins Meer Griechenland

Arta – Trikala – Meteora: Natur, Zweifel, Erhabenheit

Unser Weg führt uns in das Landesinnere. Drei bis vier Stunden nur Natur. Man fragt sich irgendwann, ob da noch was kommt außer Kurven und Bäume oder streunende Hunde, die wir mit Früchteriegeln besänftigen können. Hunger macht also nicht nur Markus ungemütlich.

Mit dem Motorrad durch die unendlichen Weiten im Landesinnere von Griechenland
Griechenland Mitte mit dem Motorrad

Es kommt: Meteora am Abend. Keine Busse, nur Glockenspiele und Felsen, die uns auf Handtuchgröße schrumpfen. Markus flüstert „Märchen“. Ich denke „Kaputtes Sitzfleisch, aber ja – märchenhaft.“ Schön, da die Meteora-Klöster am Abend nicht so überlaufen waren. Genau die richtige Entscheidung.

Mit dem Motorrad zu den Meteorakloster
Griechenland Biker Meteora-Klöster

Route Motorrad durch Griechenland Viewpoints Meteora-Klöster
Griechenland Mitte mit dem Motorrad

Vikos-Schlucht

Die Vikos-Schlucht ist kein Spaziergang, sondern eher ein Schlag ins Gesicht der Geografie: fast 20 Kilometer lang, bis zu 1000 Meter tief und so schmal, dass man sich fragt, ob die Natur hier einfach Spaß am Übertreiben hatte. Unten rauscht der Voidomatis‑Fluss, oben hängen die Felsen wie Kulissen eines schlechten Fantasyfilms – nur dass es echt ist. Wer dort steht, fühlt sich winzig, und selbst Markus war kurz sprachlos (was selten vorkommt). Es ist einer dieser Orte, an denen du merkst: die Welt ist groß, du bist klein, und dein Müsliriegel reicht hier maximal als Symbol für Überlebenswillen.
Wir sind zuerst in einem Touristen-Hotspot gelandet, in dem man vor dem Restaurant noch nicht einmal die Motorräder stehen lassen dufte.
Aber am Parkplatz Gebühren zahlen und dann zu utopischen Preisen ein Wasser kaufen sollten wir.... aber nicht mit uns. Uns gehen diese Hotspots sowieso auf die Nerven. Wir sind lieber in kleinen lokalen Restaurants, bei denen man noch die Gastfreundschaft spürt und die Einheimischen kennenlernt. Hier lassen wir gern auch mal großzügig Trinkgeld, wenn wir uns wohl fühlen.
Weiter oben haben wir einen kleinen Viewpoint gefunden, der ruhig und nicht überlaufen war. Hier konnte man die Aussicht genießen und diese grandiose Schlucht von oben bewundern.

Mit dem Motorrad zu der Vikos-Schlucht
Griechenland Biker Landesinnere

Route Motorrad durch Griechenland Viewpoints Vikos-Schlucht
Griechenland Mitte mit dem Motorrad

Ksamil: Rooftop-Bar und das Pflegestufe-Programm für die Seele

Über Sarande nach Ksamil haben wir uns ein Hotel gesucht um ein paar Tage auszuspannen. Es wurde ein Hotel mit Rooftop-Bar, Frühstück oben, Meerblick überall. Wir tun, was man selten plant: nichts. Seele lüften, Helm auslüften, weiterleben.

Rooftop-Bar in Albanien am Meer
Hotel mit Rooftopbar in Albanien Saranda

Saranda – Vlora: Küstenstraße und Offroad-Paradies

Für uns die schönste Küstenstraße bisher. Unser Geheimtipp am Ende: eine Halbinsel hinter grünen Zweifeln, schlechten Straßen und dann: Paradies. Kleine Hütten und ein großer Pool, Offroad vor der Tür, einsame Buchten, Sonnenuntergänge mit maximaler Kitsch-Intensität. Wir bleiben zwei Nächte und tun so, als wären wir vernünftig. Natürlich nicht! Abends ging kreuz und quer auf der Halbinsel, die förmlich nur aus Offroad-Strecken bestand. Zwischendurch etwas Romantik aber dann ging es wieder ins Gelände.

Albanien Motorrad
Albanien Offroad Motorrad

Albanien offroad am Meer Biker
Motorradstrecken am Meer Albanien offroad

Skutarisee: Albanien verabschiedet, Montenegro vergisst den Charme

Albanien sagt Tschüss mit Aussicht und Weite. Montenegro sagt Hallo mit Abzocke und agressive Verkäufer. Virpazar verkauft alles: Zimmer, Bootsfahrt, wahrscheinlich auch die Hoffnung und das zu Preisen, die sich gewaschen haben. Durmitor war unser Ziel, aber wir wurden im Süden zu sehr entäuscht. Beim nächsten Mal, wenn man die schlechten Eindrücke im Süden vergessen hat.

Albanien Motorrad Shkodrasee
Skutarisee Albanien Motorrad fahren

Campingplatz Prapratno: Drei Bäume, zwei Hängematten, null klassische Campinglogik

Am selben Tag rollten wir noch nach Podaca in Kroatien und stolperten über einen kleinen, feinen Campingplatz. An der Rezeption fragten wir höflich, ob sie zufällig drei Bäume hätten – für unsere Hängematten. Die Reaktion: große Augen, Gelächter, und erst als klar wurde, dass wir es ernst meinten, brach das Gelächter richtig los. Der Platzwart meinte nur: „Normale Leute kommen mit Zelt oder Wohnmobil, aber so eine Anfrage hatte ich noch nie.“ Bäume gäbe es genug, wir sollten halt mit den Mopeds durch den Platz fahren und ihm dann sagen, wo wir fündig geworden sind. Also starteten wir unsere Maschinen und tuckerten durch den Campingplatz, während alle Augen auf uns gerichtet waren. Jeder fragte sich, was die zwei Chaoten da eigentlich treiben – außer Lärm. Wir wurden fündig: drei Bäume, perfekt für unsere Hängematten, zwischen drei Stellplätzen. Das Gelächter war vorprogrammiert, und als wir es dem Platzwart erklärten, grinste er nur breit. Ab da waren wir die Attraktion des Campingplatzes. Die Preisgestaltung war kreativ, aber wir konnten nicht ablehnen. Als wir nach Strom fragten, lachte er nur: „Kein Zelt, aber Strom wollt ihr? Logisch. Sucht euch einfach einen Schrank.“ Gesagt, getan – und alle lachten mit. Genau das war das Wichtigste: Spaß statt Regeln. Wir blieben nur eine Nacht, denn unser eigentliches Ziel Pasman lag schon vor uns.

Pasman & Heimritt: Sovinje, Durchatmen, 720 km Wahrheit

Pasman, Sovinje: Wieder mal unser Lieblingscampingplatz, dieses Mal mit Hängematten, Sonne, Kopf sortieren und etwas ausspannen. Auch das gehört zu einem Motorrad-Urlaub dazu. Danach einmal 720 km am Stück nach Hause. Sitzfleisch kaputt, Humor heil. Und die Erinnerung? Bleibt. Genau deshalb machen wir den ganzen Zirkus: Chaos mit Aussicht.