one life – one trip


Wenn der Wahnsinn überhand nimmt

Man sagt ja, man soll sich nicht in Dinge verlieben, die man reparieren muss. Wir sagen: Challenge accepted. Die Suzuki GSR 750 kam gebraucht zu uns – mit mehr Macken als ein Teenager in der Pubertät. Umgefallen war sie auch schon. Der Tank hatte die Form einer Kartoffel, der Endtopf klang wie ein rostiger Laubbläser. Aber hey, Liebe ist bekanntlich blind – und manchmal auch taub.

Also wurde erstmal ausbeult, lackiert, geschraubt und geflucht. Der neue Endtopf? Sportlich. Die neue Folierung? Camouflage. Die Arbeit? Ein Albtraum. Die Maske haben wir dreimal foliert – jedes Mal mit dem Gefühl, dass die Folie uns gleich die Scheidung einreicht. Felgen beklebt, Motorschutz montiert, Lichtmaske auf LED umgebaut – jetzt leuchtet sie wie ein UFO auf Speed.

Mitten im Winter, alles fertig. 23 Uhr. Fünf Monate lang nur gestreichelt, geputzt und mit Wattestäbchen gepflegt. Dann die Frage: Starten oder Nachbarn schonen? Antwort: Natürlich starten. DB-Killer vergessen. Sound? Orkanstufe 12. Die Nachbarn? Wahrscheinlich mit Ohrstöpseln unter der Bettdecke. Wir? Pippi in den Augen. Das Biest lebt. Und es schreit.

Erste Ausfahrt. Hochmotiviert. Vollgas. Ergebnis: Zivilpolizei. Drei Mann. 4,5 Kilometer. 9 Vergehen. Videoanalyse: „Fahrstil sportlich bis grenzwertig.“ Wir nennen es: Ausdruckstanz auf zwei Rädern. Die Strafe? Vier Seiten lang. Summe? Vierstellig. Lerneffekt? Ja. Fahrstil? Noch in der Findungsphase.

Dann kam die erste große Reise: Kroatien. Aufgepackt wie ein Kamel, Lederkombi bei 40 Grad, Kurven ohne Ende. Und ein Grinsen unter dem Helm, das selbst die Sonnencreme nicht wegwischen konnte. Das Leben? Kann so schön sein – solange man nicht wieder von hinten Blaulicht sieht.


Rezept für DIY-Ohrenstöpsel (für Nachbarn mit sensiblem Gehör)

(Achtung - Satire!)

Zutaten:
2 Stück Knetmasse (wahlweise Kinderknete oder Modelliermasse – Hauptsache weich)
1 Tropfen Lavendelöl (für die Illusion von Wellness)
1 Prise Geduld (optional, aber empfohlen)
1 Glas Rotwein (für den Nachbarn – zur Beruhigung)
Zubereitung:
Knetmasse zu zwei kleinen Kugeln formen – etwa so groß wie ein „DB-Killer-Gewissen“.
Mit dem Finger leicht plattdrücken, damit sie sich besser ins Ohr schmiegen.
Einen Tropfen Lavendelöl drauf – für den Duft, nicht die Funktion.
In die Ohren stecken, tief durchatmen und hoffen, dass die Suzuki nicht nochmal startet.
Rotwein dem Nachbarn reichen – zur akustischen Verarbeitung.
Tipp:
Bei besonders lauten Motorrädern einfach zwei Lagen verwenden – oder direkt in den Keller ziehen.