one life – one trip


Gekauft in Wien. Im 1. Bezirk. In der City.

Weil man dort natürlich unbedingt die R-Variante braucht. Für die Tiefgarage mit Marmorboden, die Ampelrennen gegen E-Scooter und die Bordstein-Rampen, die sich wie Enduro-Parcours anfühlen – zumindest wenn man’s sarkastisch meint.
Der Zustand? Brutal. Selten so etwas gesehen. Dreckig, runtergerockt, als hätte sie die Rally Dakar rückwärts gefahren – ohne Ölwechsel und mit einem Beiwagen voller Ziegelsteine. Markus meinte trocken: „Die nehmen wir nicht mit.“ Selbst Jenny hatte sich schon damit abgefunden, mit einem leeren Anhänger heimzufahren.
Aber dann wurde der Preis gedrückt. Und gedrückt. Und plötzlich war sie eingepackt. Projektstart: offiziell. Willkommen im Club der irrationalen Entscheidungen mit hoher Oktanzahl.

Phase 1: Putzen. Fluchen. Staunen.

Die erste Stunde mit der 1290 R? Keine Fahrt. Kein Motorstart. Nur Lappen, Bürste und der Satz: „Was ist DAS denn?“ Ein Makel nach dem anderen tauchte auf – wie Ostereier, nur in hässlich. Kratzer, Dellen, Schrauben, die aussahen, als hätten sie schon drei Leben hinter sich. Die Sitzbank roch nach Abenteuer, aber eher nach dem Abenteuer eines Bauarbeiters mit Magen-Darm.
Aber gut: Der Winter ist kalt. Und lang. Da geht einiges. Also wurde aufgerüstet. Nicht zaghaft, sondern wie ein Kampfjet vor dem Einsatz. Wenn schon Wahnsinn, dann bitte mit Zubehör.

KTM 1290 R Adventure  – Reiseenduro vor Projektstart, ungeputzt und bereit für den Umbau
KTM 1290 R Adventure beim ersten Putzen – Dreck, Kratzer und Schrauben mit 
    Geschichte

Phase 2: Ausrüstung wie für den Weltuntergang

Taschen vorne an der Seite – gebraucht, aus Villach eingeflogen. Der Verkäufer war sich nicht sicher, ob sie wasserdicht sind, aber immerhin rochen sie nicht nach Fisch.
Koffer hinten – gebraucht, aber stabiler als manche Beziehungen. Und mit weniger Drama beim Öffnen. Ein Topcase, ebenfalls gebraucht. Das wurde mit Styropor und Icepacks kurzerhand in einen Kühlschrank verwandelt. Für die Zimtschnecken. Oder das Bier. Oder beides.
Tankrucksack – für noch mehr Platz, falls man spontan ein Zelt, eine Katze oder eine Schildkröte transportieren will. Oder einfach nur die Hoffnung, dass man irgendwann alles wieder auspackt.
Auspuffanlage – für die Nachbarn. Müssen ja auch was zum Reden haben. Die neue Anlage klingt wie ein wütender Laubbläser auf Steroiden – und das ist noch die leiseste Stufe. Entfernt man den DB-Killer, denkt Jenny jedes Mal, das Haus fällt zusammen, wenn man damit in die Garage fährt.
Tieferlegung – weil kurze Beine nicht verhandelbar sind. Früher bei Jenny belächelt („Für was braucht man das?“), heute selbst gebraucht. Karma schlägt zurück – und zwar mit Federvorspannung und einem leichten Knirschen im Ego.
Sturzbügel – falls der Bock doch mal umfällt. Spoiler: Sie fiel nicht nur einmal. Gelände ist halt kein Wohnzimmer. Und selbst dort würde er wahrscheinlich den Couchtisch mitnehmen.

Phase 3: Erste Fahrten – zwischen Flattern und Fliegen

Die KTM 1290 R Adventure ist… sagen wir mal: eine Ansage. Für mich persönlich: zu hoch im Gelände, zu schwer beim Rangieren, zu viel Motorrad für zu wenig Bein. Mit vollem Gepäck? Ab 68 bis 75 km/h fängt das Lenkrad an zu flattern – wird aber gekonnt ignoriert. Denn ab 80 km/h ist alles wieder stabil. Oder man ist einfach zu beschäftigt mit Grinsen und dem Gedanken, dass man gerade ein fahrendes Kraftwerk unter sich hat. Das kommt auch nur vor, wenn sie voll beladen ist. Mit Sozius oder leer merkt man kein Lenkerflattern. Aber mit zwei Koffern, Tankrucksack und dem halben Campingplatz hinten drauf? Da wird’s schon mal lebendig.

KTM 1290 R Adventure mit Motorrad Zubehör – Koffer, 
    Tankrucksack und Sturzbügel für Offroad und Langstrecke
KTM 1290 R Adventure Offroad – Reiseenduro im Gelände mit Pirelli 
    Scorpion Reifen und Tieferlegung

Langstrecke: Leistung ohne Ende

Auf der Autobahn? Ein Traum. Der Motor zieht wie ein wütender Elch auf Red Bull. Der Windschutz? Top. Ein hohes Windschild wurde verbaut – und plötzlich ist der Helm nicht mehr das lauteste Teil am Kopf. Nur der Tankinhalt zwingt dich zur Pause. Aber hey: Zigarettenpause ist auch Lebensqualität. Und manchmal die einzige Möglichkeit, die Finger wieder zu spüren.

Bordcomputer: Von seriös bis „Teufel komm raus“

Die Einstellmöglichkeiten sind… sagen wir: umfangreich. Man kann alles konfigurieren – von Fahrmodi über Traktionskontrolle bis zur Heizgriff-Temperatur in halben Gradzahlen. Manchmal fühlt es sich an wie ein Cockpit im Flugzeug. Manchmal wie ein Gameboy mit zu vielen Knöpfen. Und manchmal wie ein Beziehungsratgeber: viel Auswahl, wenig Klarheit, aber am Ende entscheidet man sich doch für „Sportmodus“.

Reifen: Pirelli Scorpion – für jeden Scheiß zu haben

Die Pirelli Scorpion sind wie gute Freunde: Sie machen alles mit, meckern nicht, und zaubern dir ein Grinsen unter den Helm. Ob Schotter, Schlamm oder Stadtverkehr – sie halten, was sie versprechen. Und wenn du im rechten Spiegel die Frau auf der 790 siehst, weißt du: Was will man mehr? Sie macht Platz. Wir kommen. Zwei Wahnsinnige. On the road. Und das Leben? Das fährt mit.

KTM 1290 R Adventure Cockpit – TFT-Display mit Fahrmodi, 
    Traktionskontrolle und Bordcomputer für Touren
KTM 1290 R Adventure und KTM 790 – zwei Adventure Bikes auf 
    gemeinsamer Motorradreise mit Humor und Chaos

Technik, die mehr kann als du brauchst – und genau deshalb willst du sie

Die 2021er KTM 1290 Super Adventure R ist kein Motorrad, sie ist ein Statement mit 160 PS. Der 1301-ccm-V2 schiebt mit 138 Nm Drehmoment so kräftig an, dass man beim Gasgeben kurz die Erdkrümmung vergisst.
Die Sitzhöhe liegt bei sportlichen 880 mm – also ideal für Leute mit Stelzen oder Selbstüberschätzung. Für alle anderen gibt’s Tieferlegung und Demut.
Das Fahrwerk? WP XPLOR mit 220 mm Federweg vorne wie hinten, voll einstellbar – für alle, die gern schrauben, fluchen und sich fragen, ob „Highspeed-Druckstufe“ ein medizinischer Befund ist.
Die Bremsen kommen von Brembo, vorne mit 320-mm-Doppelscheiben, hinten mit 267 mm – genug, um auch die letzte Zimtschnecke im Tankrucksack abrupt zu stoppen.
Der Tank fasst 23 Liter, was für rund 400 km reicht – je nachdem, wie oft man den Sportmodus aus Versehen aktiviert oder ob man gerade einen Hügel mit dem Vorderrad erklimmt. Das Gewicht liegt bei 221 kg trocken, fahrfertig bei etwa 249 kg – also kein Leichtgewicht, aber dafür mit genug Stabilität, um auch bei Seitenwind nicht gleich in die nächste Provinz zu segeln.
Assistenzsysteme? Alles da: Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Ride-by-Wire, verschiedene Fahrmodi. Optional gibt’s Quickshifter, Tempomat und sogar Reifendruckkontrolle – falls man mal wieder vergessen hat, ob man Luft oder Hoffnung eingefüllt hat. Das 7-Zoll-TFT-Display ist so hell, dass man damit notfalls auch die Garage ausleuchten kann. Bedienung? Etwas fummelig, aber hey – wer KTM fährt, hat ohnehin eine gewisse Leidensbereitschaft unterschrieben.

Erfahrungsbericht aus den Pyrenäen: 12 Stunden im Sattel

Ein Testbericht aus den Pyrenäen beschreibt die KTM 1290 R als „überdimensioniert, aber genau richtig“. 1.500 km Offroad, 12-Stunden-Tage, kein Sturz, kein Hoppala. Das Fahrwerk bügelt alles weg, die Sitzbank ist bequem genug für Marathonetappen, und das Drehmoment überrollt jede Steigung wie ein Panzer mit Charme. Die Mindestgröße für stressfreies Fahren? Laut Tester: 178 cm. Für alle darunter gilt: Tieferlegen oder wachsen lassen.

Fazit: Reiseenduro mit Charakter – und Kanten

Die KTM 1290 Super Adventure R ist kein Bike für Anfänger. Sie ist ein Adventure-Motorrad für Menschen mit Humor, Technikverständnis und einer gewissen Bereitschaft, sich mit einem rollenden Orkan anzufreunden. Sie ist tourentauglich, geländefähig, übermotorisiert und manchmal einfach zu viel – aber genau das macht sie so verdammt gut. Wer eine Reiseenduro sucht, die nicht nur fährt, sondern lebt, flucht und lacht – der ist hier richtig.